Katharina und Kristine begleiten uns einige Tage. Zum Glück weht es nicht mehr mit 30+ Knoten. Für einen 4 Tage Minitörn sind die Inseln rund um Naxos und Paros hervorragend geeignet. Die Inseln reduzieren bei allen nördlichen Winden die Wellenhöhe, da nimmt man im Gegenzug gerne Winddreher und Fallwind-Böen in Kauf.
Der erste Schlag führt uns nach Kato-Koufonisia – in Rekordzeit im dritten Reff in die geschützte Detis Bay. Es weht nicht mehr mit 30+, aber 25 Knoten reichen auch, um weite Strecken mit 8 Kn zu schaffen. Die Detis Bay kennen wir schon. Da waren wir im Mai/Juni die einzigen Gäste in der Taverne. Dieses Mal ist es anders. Oberhalb der Detis Bay kann man „wild campen“. Einzige Voraussetzung: man muss sich in der (einzigen) Taverne der Insel melden. Und das nützen wohl die meisten gleich auch als Versorgungsstation. Der Abend beginnt sehr urig. Ein paar ältere Männer sitzen in einer Ecke im Lokal und singen griechische Lieder begleitet von einem an der Gitarre. Speisekarte gibt es keine. Wir gehen in die Küche und bestellen das, was ausgestellt ist. Überhaupt läuft alles sehr gechillt ab, vor 50 Jahren hätte man wohl „hippiemäßig“ gesagt.
Tag 2 führt uns einen kurzen Weg nach Koufonisia, hauptsächlich um Brotvorräte aufzustocken. Wir wollen gerne zurück nach Paros segeln. An die Ostküste – um genau zu sein. Weit kommen wir nicht. Nach wenigen Seemeilen dreht der Wind auf WWN – genau in die Richtung, in die wir wollen, und legt wieder kräftig an Stärke zu. Wir wenden, um auf dem richtigen Bug zu sein, legen Ruder und fieren. Neues Ziel: Schoinoussa. Die Bucht kennen wir auch, nicht unsere Traumbucht, aber dieses Mal passt es sehr gut, auch wenn wir mit 40 m Kette auf 9 Meter Tiefe liegen. Abends fahren wir an den Strand, nehmen den steilen Weg in die Chora auf uns und feiern unseren Hochzeitstag im Restaurant „Meltemi“.
TAG 3 beschert uns das passende Windfenster. Wir segeln entspannt bei 10-12 kn aus Norden bis zur Bucht zwischen Despotiko und Anti-Paros. Dann lässt der Wind so weit nach, dass wir die letzten Seemeilen sogar den Motor brauchen. Abendessen im Captain Pipinos rundet den herrlichen Tag ab.
Dietmar feiert einen sehr runden Geburtstag. An Board – wo sonst! Denn der Wind verhindert ein an Land gehen.
Er hat sich ein Highlight zum Geburtstag gewünscht.
Kann er haben:
Zwei Tage liegen wir zusätzlich vor Anker, um auf den günstigen Moment zu warten, damit ich Dietmar in die Mastspitze ziehen kann. Sonntag und Montag brechen wir unsere Versuche bei der ersten Saling ab. Vor Anker schwojt das Boot, jede kleinste seitliche Welle bringt das Boot zum Hin- und Herwackeln und jede Böe ab 15 Knoten ist auf 17m Höhe schrecklich – geschweige denn – einfach gefährlich.
Dann endlich – am Dienstag Nachmittag beruhigt sich der Wind. Nur 10-12 Kn. Sofort zieht Dietmar den Harness an, an dem wir die Sicherungsleine (Spinnakerfall) festmachen. Er schlüpft in den Seemannsstuhl, den wir am Großfall festmachen. In einem Sack führt er eine Schere und Gafferband mit.
Mit der Elektrowinch ziehe ich ihn in den Mast. Bis zur zweiten Saling ist alles gut, dann nimmt der Wind wieder zu. 15-17 Kn Böen. Dietmar hält sich am Mast und den Wanten fest.
Die letzten Meter sind die Härtesten. Endlich ist er oben. Die Funkantennenaufhängung kann er nicht reparieren, einzige Lösung: mit Gafferband an das Achterstag fixieren. Da klingt einfach, ist aber auf 17 m Höhe mit 15-17 Knoten Wind gar nicht einfach. Denn mit nur einer freien Hand entwickelt das Gafferband ein Eigenleben. 3 Versuche braucht es, dann ist die Antenne fixiert.
Am hinteren Ende des Drogue werden eine Leine befestigt, mit dem man den Drogue schnell einholen kann, und ein großer (vormals oranger) Kugelfender, der verhindert, dass der Drogue unter den Rumpf sinken kann.
Auf den langen, kreuzweisen Leinen, am Vorderteil des Drogue wird eine dicke Leine befestigt, die zu den beiden achterlichen Klampen geführt wird.
Nach einigen Tests führen wir den Drogue so nahe am Spiegel der Starship, dass die Leinen des Drogues nie in die Nähe des Ruders kommen können, aber der Drogue genug Platz hat, um sich regelmäßig zur Gänze mit Wasser zu füllen.
Und nach weiteren Anpassungen führen wir den Drogue mehr auf der Backbordseite. Das heißt, er ist nicht mittig angebracht, sondern rund 40 cm mehr auf Backbord. Zusätzlich führen wir die seitlichen Leinen über Fender, damit die frisch polierte Starship nicht schmutzig wird.
Das ist sie nun. Die Zielkonfiguration.
Die Auswirkungen sind enorm. Kein Tänzeln mehr am Ankerplatz, sondern ein ruhiges Hin- und Herziehen.
Kein Wind. Oder vielmehr die Ruhe vor dem Sturm. Unter Motor schaffen wir die Strecke Ios – Paros. Unser Ziel ist Aliki, ein sehr netter Ort mit großer Sandbucht im Süden von Paros. Wir brauchen ein „sicheres“ Plätzchen, um die nächsten Tage vor Anker den Meltemi abzuwettern.
(TAG 1 vor Anker): Wir nutzen den Mittwoch, um das Boot sturmfest zu machen. 40 Meter Ankerkette auf 6 Meter Tiefe. Die Ankerkralle wird um einen dicken Fender gerollt, um das Rucken zu dämpfen. Das Ankersegel wird gesetzt. Alles wird nochmals verzurrt, das große Dinghi fester angebunden, die „Vorhänge“ vor der Sprayhood weggerollt. Vorräte werden aufgestockt. So halten wir locker durch bis Samstag. Die Nacht ist noch relativ ruhig und wegen des Windes angenehm kühl.
(TAG 2 vor Anker): Erst gegen 9:00 am Donnerstag starten die Windböen.
Wir liegen nicht alleine in der Bucht. Außer uns haben sich 19 andere Segel- und Motorboote für diesen Platz entschieden. Alle kontrollieren regelmäßig, ob der Anker hält. Die große italienische Yacht an Steuerbord fährt kurz darauf ein hektisches Manöver. Anker auf und 5 Minuten später wird wieder geankert. Da hat der Anker wohl den ersten Böen nicht standgehalten.
11:00. Wir sind bei 37 Kn. 11:30 neuer Höchststand 39 Kn. 16:00 Tageshöchstwert 45,6 Kn. Wir rollen das Bimini weg. Noch weniger Widerstand. Trotzdem tanzt die Starship in den Böen (oder seemänisch gesprochen: schwojt von Steuerbord zu Backbord und zurück.)
Wider Erwarten nimmt der Wind in der Nacht ab. Nur 20-25 Knoten. Welche Erleichterung. Wir schlafen abwechselnd im Cockpit.
(TAG 3 vor Anker): Der ganze Tag verläuft relativ ruhig. Mit der Zeit gewöhnt man sich und erachtet schon 20 Knoten als ruhig. Maximal 30 Kn, einmal zeigt der Windanzeiger 40 Kn. Gefühlt „ruhig“. Das einzige, was wirklich nervt, ist das Schwojen.
Wir überlegen, was wir dagegen tun können. Selbstversuch Nr. 1:
Wir kramen den Drogue-Anker aus der Backskiste.
Den würde man üblicherweise verwenden, um bei schlimmen Bedingungen auf hoher See das Boot jeweils im Wind zu halten (je nachdem, am Bug oder am Heck ausgebracht). Wir bringen jeweils 15 Meter Leine an, befestigen eine Boje am Drogue und bringen ihn aus. Schlagartig nimmt das Schwojen ab. Der Drogue fängt sich mit Wasser und stoppt die Bewegung des Bootes. Zu schön, um wahr zu sein. Vielleicht unser Fehler, dass wir nicht gleich die gesamten 15 m Leine geben, aber der Drogue bzw die Leinen laufen Gefahr, unters Ruder zum kommen. Der Versuch wird abgebrochen. Idee gut, Umsetzung nicht. Das braucht bei Gelegenheit einen Selbstversuch Nr. 2.
Wir nähen 6 Stunden lang bis 20:30 an unserer neuen Relingsbespannung. Den Stoff zugeschnitten haben wir noch in Sizilien im Jahr 2023, sind aber in den letzten drei Jahren nie dazu gekommen, die Bahnen zu vernähen.
Uns motiviert, dass wir auf einen ruhigen Abend hoffen, und überlegen sogar, zum Abendessen mit dem Dinghi in den Ort zu fahren. 20 Kn Wind würden uns nicht abhalten.
Aber kaum ist die Sonne weg, nimmt der Wind zu. Die ganze Nacht über eine Böenwalze nach der anderen (40 kn). Wir schlafen beide im Cockpit, mehr schlecht als recht. So wie wir es aus Kalymnos kannten, ist der Wind in dieser Nacht zusätzlich richtig warm.
(TAG 4 vor Anker): Unverändert viel Wind. Das rote Dinghi reißt sich an einer Seite los. So ein Glück, dass ich gerade die Nachbarboote scanne und das Problem frühzeitig sehe.
Aber das ist nicht das einzige Problem. Obwohl wir die dicke, fette Trosse der Ankerkralle mehrfach gegen Pendeln absichern, schaffen es die Böen immer wieder, dass sich diese Trosse am Ankerbeschlag von links nach rechts bewegt. Der Ankerbeschlag mittlerweile auch, es sind nur wenige Millimeter, aber das ist schon zu viel. Mit Inbusschlüssel, Schraubenschlüssel und Franzosen bewaffnet, hocken wir zu zweit (fast übereinander) auf den wenigen cm2 am Bug. Dietmar schraubt im Ankerkasten, ich halte mit dem Inbusschlüssel am Ankerbeschlag dagegen. Das alles bei 40 Knoten Wind und einer wild tanzenden Starship.
Gegen Abend nimmt der Wind wieder etwas ab. 20 Kn im Schnitt. Wir gönnen uns wieder ein Abendessen im Ort. Der Weg dahin im Minidinghi sorgt für nasse Hosen. Der Rest bleibt trocken, schließlich sitzen wir im Hochsommer im Schwerwettergewand im Dinghi.
(TAG 5 vor Anker): Sonntag. das Schlimmste ist vorbei. Wir wollen Ankerauf gehen und richten alles fürs Segelsetzen her. Schaden Nr 1. wird entdeckt. Der Lazybag ist an der Oberseite an einigen Stellen zerrissen. Den Anker herauszuholen ist Schwerstarbeit. Er ist so tief vergraben, dass wir ihn mit der Kraft der Starship herausziehen müssen. Das heißt: Kette kurzstag, über den Anker fahren und den Anker herausdrehen. Nachträglich ein gutes Gefühl, dass sich der Anker so gut hineingegraben hat.
Nicht viel weniger Wind, wir sind vielleicht 2 Seemeilen entfernt, da entdecken wir Schaden Nr. 2. Der Wind hat die Funkantenne an der Mastspitze aus der Verankerung gerissen. Kehrtwende und zurück an den Ankerplatz.
Wir versuchen Dietmar zur Mastspitze hoch zu ziehen, aber mittlerweile weht es wieder zu stark. Wir vertagen den Versuch auf morgen. Der Nachmittag und der Abend verlaufen fast schon wie gewohnt. 40 Knoten Wind. Kein Tavernenbesuch, sondern einigeln.
Fazit: Meltemi mit Schäden abgewettert, aber immer noch am Ankerplatz.
Ankunft am Freitag, Bootserledigungen (reinigen, Wäsche waschen, tanken, einkaufen, Kleinigkeiten ausbessern) am Samstag, Fahrt in die Krios Bay am Sonntag.
Montag früh um 5:25 im Morgengrauen heißt es „Anker auf“. Wie immer, haben wir noch keinen Plan, wohin wir genau segeln werden (können). Das entscheidet sich erst, wenn wir die ersten Seemeilen geschafft haben (mind. 5 Seemeilen entfernt von der kretischen Küste). Uns erwarten großartige Bedingungen. 13 Knoten Westwind und eine geringe Welle. Damit müssen wir nicht Astypalea ansteuern, sondern nehmen direkt Kurs auf Koufonisia, eine kleine Insel südöstlich von Naxos. 98 Seemeilen sind das.
Genau 5 Stunden später haben wir das erste Drittel geschafft, um 13:30 ist Halbzeit. Santorini liegt an Backbord, Anafi an Steuerbord.
2 Stunden später schläft der Wind ein. Vorhersagegemäß. Also, wie üblich. Ein „Change of plan“.
Neues Ziel: die uns schon so bekannte Südbucht von Ios. Nur 5 bis 6 Knoten wahrer Wind, aber wir versuchen, so lange wie möglich ohne Motor auszukommen. Die letzten 6 Seemeilen gehen dann nicht mehr ohne Maschine.
Um 19:30 fällt der Anker in einer sehr leeren Bucht. Außer uns liegt noch eine Superyacht und ein großer Kat vor Anker. Wann immer wir bisher in Ios waren, mussten wir erst einen Ankerplatz suchen, so viele Boote lagen hier. Eigenartig. Genauso eigenartig wie der Umstand, dass wir auf der Strecke Kreta- Ios kein einziges Segelboot gesehen haben.
Trotzdem: 15 Stunden bis Ios. Großartig. Denn bisher haben wir zumeist mehr als 1 Woche über die „Ostrunde“ (wie zb Astypalea, Leros und Patmos) gebraucht, um so weit in den Westen zu kommen.
IOS – ANAFI ist uns schon gut bekannt. Die Strecke (rund 25 sm) lief bisher immer so ab.
*) Ablegen in IOS bei 25 Knoten Wind und null Welle. *) Auf dem Weg nach Anafi nimmt der Wind kontinuierlich ab und die Wellenhöhe steigt. *) ungefähr 8 sm vor Anafi gibt es keinen segelbaren Wind mehr und wir müssen den Motor dazunehmen, weil das Geschaukel nicht auszuhalten ist.
Dieses Mal ist es wieder genau so.
Bis auf die Ankunft in Anafi. Denn bisher war immer sehr wenig Wind beim Ankommen. Dieses Mal erreichen wir Anafi unter Böen von 25 Knoten und mehr. Wir ankern vor dem kleinen Hafen.
Am späten Nachmittag wird es besser. Wir wassern schnell das Dinghi, Dietmar fährt in den Hafen und prüft, ob noch Platz ist. Passt, ein Platz an der Mole ist frei. Motor rauf, Dinghi rauf, wir sind schon richtig geübt.
Das Anlegen im Hafen gestaltet sich einfach. Wir chillen und genießen einmal mehr einen schönen Abend in der Chora.
Das Ablegen für die letzte Etappe nach Kreta ist für 9:00 geplant. 11 Stunden für die Strecke sollte sich gut für eine Ankunft bei Tageslicht ausgehen. Aber an Ablegen um 9:00 ist nicht zu denken. Böen mit über 30 Knoten stehen in den kleinen Hafen. Wir brechen unsere Versuche ab und warten. Endlich gegen 14:30 lassen die Böen nach, sowohl in der Stärke (dann nur mehr 20 Knoten) und in der Häufigkeit (nur mehr alle 6-8 Minuten). Wir legen um 15 Uhr ab.
Damit ist klar, die letzte Etappe ist eine Nachfahrt.
Wir schaffen anfangs nur 4-5 Seemeilen pro Stunde. 12-14 Knoten raumschots reichen nicht für mehr. Aber je näher wir Kreta kommen, desto westlicher wird der Wind und nimmt im Schnitt um 2 Knoten zu. Damit steigt unser Speed auf 6,5 – 7 Seemeilen pro Stunde. Mit Sonnenuntergang wird es spürbar kälter und nässer. Schwerwettergewand muss her, heißer Kakao und Kekse.
Um 1 Uhr in der Früh sind es noch 4 Seemeilen bis Kreta. Der Wind liegt bei 18 Knoten. Die Wellenhöhe bei 1,5 Meter. Wir setzen das zweite Reff. Das nimmt uns zwar gleich einiges an Geschwindigkeit, aber wir fühlen uns deutlich wohler.
Nach dem Kap sind die Wellen weg, aber die typischen Böenwalzen begleiten uns die letzten Seemeilen bis in die Lagune. An unserem Stammplatz im kretischen Neusiedlersee fällt der Anker um 2:20 und wenig später wir ins Bett.
In den letzten Tagen hat der Wind nachgelassen. 3-7 Kn sind das Maximum. Die Windrichtung: Von irgendwo – jedenfalls nicht so wie die Wettervorhersage.
Mit so wenig Wind müssen wir einmal mehr unsere Pläne umwerfen und den Wind bestimmen lassen, wohin wir segeln. Denn nur hart am „Wind“ (hahaha), können wir mit dem scheinbaren Wind segeln.
Ziel 1: Die Insel SIFNOS
Nie zuvor gehört. Die Insel SIFNOS reiht sich nahtlos in die lange Liste der „uns unbekannten“ Inseln. Wo fange ich an, wo höre ich auf? Amorgos, Koufonisia, Anafi, Astypalea, Despotika und jetzt Sifnos fallen mir sofort ein.
Von Antiparos bis Sifnos sind es nur 12 Seemeilen. Aber mit 2-3 Knoten Wind eine wahre Geduldsprobe. Mit 1,5 bis 1,7 Knoten SOG schleichen wir dahin. Das Wasser ist glatt. Jede kleinste Kräuselung lässt unsere Hoffnung aufkeimen, dass mehr Wind kommt. 1,8 oder gar 1,9 Knoten SOG sind Hoffnungsschimmer. Noch 9 Seemeilen bis zur Insel. Noch 8 Seemeilen bis zur Insel. Noch 7 Seemeilen bis zur Insel. Wir mühen uns ab.
Dann endlich: der Wind steigt auf 5-6 Knoten. Ein spürbarer Ruck geht durch die Genuaschot. 3 Knoten Fahrt, 4 Knoten Fahrt. Jetzt kann man dem Entfernungsmesser mit Freude zusehen, Die Distanz zur Insel sinkt rapide.
Die Geduld wird belohnt. Die Bucht „GIALOS BEACH“ erweist sich als Glücksgriff. Glasklares Wasser, Sandboden, Sandstrand und viele kleine Tavernen am Strand.
Ziel 2: Die Insel KIMOLOS
Der nächste Tag, das selbe Schauspiel. Praktisch kein Wind.
Die nächst gelegene Insel, auch wieder nur 12 Seemeilen entfernt ist Kimolos. Ein weitere Name in der langen Liste.
Die ersten 3 Seemeilen halten wir tapfer durch. 4 Knoten Wind, 2 Knoten SOG. Dann spielt es Windkarussell. Das bisschen Wind kommt ständig woanders her. Es ist keine konstante Windrichtung mehr feststellbar. Geduldig wären wir und würden gerne weiter segeln. Aber wir drehen uns mit 1 Knoten im Kreis.. Die Genua steht ständig „back“. Schweren Herzens holen wir die Genua ein und werfen wieder den Motor an.
Erst die letzten Seemeilen kommt wieder ein wenig Wind auf. Der Anker fällt in der Rema Bay. Wieder Jackpot: Sandboden, kein Schwell und netter Ausflug in die Chora.
Ziel 3: Die Insel IOS
Endlich eine bekannte Insel. Aber auch nur, weil uns der Wind für die eigentliche Destination, nämlich die Insel Sikinos ausgeht.
Voller Hoffnung freuen wir uns auf diesen Tag. Konstanter Wind aus Nord mit 10-12 Knoten sind angesagt. Für die Etappe mit fast 35 Seemeilen brauchen wir auch etwas Wind. Wir starten gegen 9:30 mit 10 Knoten, dann ist der Wind weg, die Wellen bleiben. Wir versuchen es eine Zeit lang mit 3 kn SOG, aber dann ist Schluss. Das erste Mal muss der Motor aushelfen. Sobald der Windanzeiger bei 7 Knoten ist, schalten wir den Motor ab und segeln wieder. Das geht im 1,5 Stunden-Takt so weiter. Mal segeln, mal motoren. Bis dann um 15 Uhr gar nichts mehr von Wind über ist. 3 Kn Wind von achtern. Selbst die wellige Wasseroberfläche ist glatt.
Wir ankern in der Mylopotas Bay. Es ist 17:45. Nein, da fühle ich mich überhaupt nicht wohl. Wir wassern nur schnell das Dinghi, bringend en Motor an, fahren in den Ort, machen einen Minieinkauf (das übliche: Brot, Tomaten, Avocado, Schafkäse und Obst), rasen zurück, nehmen das Dinghi und den Motor wieder rauf und legen um 18:45 wieder ab. Neues Ziel: Magganari Bay im Süden von Ios. Wir ankern um 20:00. Duschen, umziehen, Dinghi wassern, Motor anbringen und um 20:00 sitzen wir schon in der Taverne am Strand. Die Geduld hat sich gelohnt.
Die offenen Aufgaben sind nicht dringlich. Und Kleinigkeiten sowie übliche Wartungstätigkeiten machen wir nebenbei.
Nochmals „auf Holz klopf“. Alles funktioniert.
Das Einzige, was uns derzeit zu denken gibt, ist der Autopilot. Zweimal ist es uns nun passiert, dass der Autopilot vollkommen grundlos und unvermittelt eine Kurskorrektur von mehr als 20 Grad vorgenommen hat. Dietmar studiert nun, woran es liegen kann. Naheliegend wäre eine Alterserscheinung der beteiligten Devices (Kompass, GPS-Maus, Autopilot selbst, etc. Oder vielleicht einfach nur das übliche Korrosionsthema.
Wir sind nun 10 Tage unterwegs. 10 Segeltage, an denen wir unsere jeweilige Destination ohne jedes Segelmanöver erreicht haben. Segel setzen, x-mal einreffen und ausreffen, Segel einholen. Das war’s! Kein einziges Segelmanöver ist notwendig. Selbst wenn wir zwischendurch denken, dass wir das Ziel nicht ohne Aufkreuzen erreichen werden, ist uns dann doch der Wind gnädig und passt sich unseren Zielwünschen an.
Heute ist der Tag der Wende gekommen.
Wir wollen in die lagunenartige Meerenge zwischen Antiparos und Despotika. Woher kommt der Wind? Genau von dort.
Klar, wir können so wie praktisch alle anderen Boote den Motor anwerfen und die 4 Seemeilen mit der Dieselfock bewältigen.
Aber nein: „Wir sind ein Segelboot“, sagen wir uns mehr als einmal und gehen es an. 8-14 Kn Wind und keine Welle sind perfekt. Genua und Großsegel so dicht wie möglich kreuzen wir auf.
Die Wenden machen wir im Regatta-Style (mit Unterstützung des Autopiloten). Klar zur Wende. +1 und +10 gleichzeitig gedrückt. Sofort setzt der Autopilot zum 100 Grad Kurswechsel an. Genua rüber. Kaum ist die Genuaschot wieder dichtgeholt, wird der Großbaumtraveller in Luv gebracht. Wir verlieren nur wenig Fahrt. Da wird auch kein Grad hergeschenkt.
Voller Stolz sind wir 4 Wenden später am Ziel. Wie Sieger segeln wir über die imaginäre Ziellinie in der Lagune.